Leseprobe

Systemvergleich
Bei der ersten Probe mit dem international berühmten Aram Khatschaturjan aus der Sowjetunion war die Zeit für eine Pause weit überschritten, als Orchesterdirektor Fischer am 4. Horn endlich aufstand und »Pause« ansagte. Fuchsteufelswild stampfte der temperamentvolle Armenier mit dem Fuß auf und schimpfte: »Nix Pause! Spielen – spielen – spielen! Ich Pause sagen an! Bei uns in Rußland nur Dirigent sagt!«
Fischer seelenruhig zurück: »Und bei uns in Deutschland sagt der Tarifvertrag wann Pause ist!« Das Orchester war inzwischen längst vom Podium verschwunden.

Schlitzohr
Unter braven Orchestermusikern gibt es ab und zu auch mal ein Schlitzohr, das man im Auge behalten sollte. Ein solches Schlitzohr saß an herausgehobener Position im Orchester. Eines Tages erbte der Kollege ein beträchtliches Vermögen, ging anderntags ins Büro und kündigte das Arbeitsverhältnis. Sein Leben als Privatier führte er weiter in der Bamberger Umgebung. Diesen neuen Status verheimlichte er tunlichst vor seiner Familie in der Schweiz. Das hatte die kuriose Folge, dass er bei einer Schweiz-Tournee privat parallel mit dem Orchester reiste, im Gegensatz dazu aber in erstklassigen Hotels abstieg. Für die Konzerte besorgte er seinen Verwandten großzügig Eintrittskarten. Wenn diese dann fragten, warum er abends nicht mitgespielt habe, antwortete er: »Ich will doch Euch besuchen und habe mir extra frei genommen, damit ich auch genügend Zeit für Euch habe.«

Einsicht
Ein bezeichnendes Licht auf den beruflichen Werdegang eines Musikers wirft der Ausspruch des Solopaukers David Punto: »Früher konnte ich mangelnde Erfahrung durch meine überlegene Technik ausgleichen. Heute ist es genau umgekehrt.«
Großer Hammer geführt von Peter Kruse