Leseprobe

Casalli zahlt alles
Am Ende der zweiten Auslandsreise, die unter der Leitung von Clemens Kraus nach Spanien ging, war in Irun der Impresario Casalli mit der gesamten Reisekasse durchgebrannt. Die Orchesterleitung hatte keine Peseten mehr, um Hotels, Tagegelder und die Rückreise zu bezahlen. Das Orchester wurde erst einmal auf Hotels in der Umgebung verteilt.
Eine Gruppe mit etwa zehn Musikern wohnte in einem kleinen Hotel in Pamplona. Am nächsten Morgen war Irun als Treffpunkt verabredet. Als die Musiker mit der Bemerkung: »Casalli zahlt alles« das Hotel verlassen wollten, schickte der Hotelier die Musiker mit ihren Koffern auf die Zimmer zurück, da die Übernachtung nicht bezahlt war.
Der Posaunist Scharnagl, damals Orchestervorstand, besorgte daraufhin einen langen Strick, mit dem die Koffer aus dem ersten Stock auf die Straße abgeseilt wurden. Dann schlenderten die Musiker ohne Gepäck in gebührendem zeitlichem Abstand unbehelligt an der Rezeption vorbei. Draußen packten sie ihre Koffer und stiegen ohne Fahrkarte (»Casalli zahlt alles«) in den Bus zum Bahnhof. Am Bahnhof half ihnen ein deutscher Ingenieur, der in Pamplona arbeitete, indem er ihnen die Fahrkarten nach Irun bezahlte.
In Irun gab es eine große Diskussion, wie man nach Hause kommen solle. Von einigen Spaßvögeln wurde der Vorschlag gemacht, einen großen Karren für das Gepäck zu beschaffen (»Casalli zahlt alles«), mit dem man dann zu Fuß über die Pyrenäen nach Hause ziehen könne. Jeder müsse mit anpacken. Der sehr sparsame Cellist Walter Bauer lehnte diesen Vorschlag ab: »Ich ho nuch gnouch Peseten. Ich kaff mer en Esel o reit mit’rem Esel ieber d’Pyrenäen hamm«.
Später erfuhren die Musiker, daß der entflohene Konzertmanager am Strand von San Sebastian erwischt worden sei, ohne eine Pesete in der Tasche. Er wurde von seinem Vater, der eine Konzert-Agentur in Barcelona besaß, ausgelöst.

Mit dem Esel über die Pyrenäen