Leseprobe

Rollentausch
Auf dem Flug nach Südamerika 1962 durfte ProfessorKeilberth, der langjährige Chefdirigent, auch einmal im Cockpit Platz nehmen. Flugkapitän Humber machte sich einen Spaß und sagte durch den Bordlautsprecher an: »Meine Damen und Herren, auf der nächsten Teilstrecke wird Herr Professor Keilberth die Maschine fliegen.« Die Passagiere wurden etwas nervös, wußten sie doch, daß dieser gar nicht fliegen konnte.
In einem der folgenden Konzerte wurde dann Keilberth nervös. Saß doch bei der Zugabe plötzlich ein neuer zusätzlicher Trompeter auf der Bühne. Er verzog unwillig das Gesicht. Dann erkannte er jedoch den zusätzlichen Trompeter und schmunzelte. Es war Flugkapitän Humber im Frack, der jeweils mit der dritten Trompete gemeinsam das Instrument ansetzte, jedoch das Blasen imitierte. Er hatte seinen größten Wunsch, auch einmal im Frack in einem Orchester zu sitzen, erfüllt bekommen. 22 Jahre später gab es noch einmal einen Piloten bei den Trompetern. Auf der denkwürdigen Südamerika-Reise 1984 mit Witold Rowicki erfüllten die Trompeter dem Lufthansa-Kapitän Birk den Wunsch, auch einmal im Frack als Trompeter auf der Bühne zu sitzen. Sie ließen ihn in Quito im »Till Eulenspiegel« die verdoppelte 3. Trompete simulieren.
Nach der Landung in Quito, Hauptstadt von Ecuador, war es auf dem Flugfeld dramatisch geworden, als Solotrompeter Lutz Randow beim Aussteigen wegen der starken Sonnenstrahlung und der dünnen Luft in 2850 m Höhe ohnmächtig wurde und umfiel.
Man verpaßte ihm eine Sauerstoffdusche und eine Spritze. Das stellte ihn wieder auf die Beine.


Künstlerpech
Der Trompeter Karl Schuster fuhr im Jahre 1966 mit dem eigenen PKW auf die Schweiz Tournee. In St. Margarethen wurde er kontrolliert und ungewöhnlich lange aufgehalten. Nach über einer Stunde, das Orchester hatte inzwischen längst die Grenze passiert, sagte man ihm, er könne jetzt weiter fahren. Auf seine Frage:»Ja, warum denn jetzt und nicht schon vorhin?« lautete die Antwort: »Sie haben gesagt, Sie seien Musiker. Ihre Geschäftsführung hat jedoch alles aufgeklärt. Sie sind ja Symphoniker, also  Künstler. Als Musiker hätten wir Sie auf Geschlechtskrankheiten untersuchen müssen. Aber als Künstler selbstverständlich nicht.«

Kleine Ursache –
Große Wirkung
Wochenlange Konzertreisen mit etwa 80 Musikern ins Ausland waren in den 50-er Jahren sehr schwer zu organisieren und zu finanzieren. So wurden die Spesen auch schon mal in Naturalien abgegolten. Auf der Rückreise von Portugal nach Paris gab es wieder einmal keine Spesen, sondern jeder Musiker bekam Brot, Salami, Obst und einen Liter Wein. Den Wein hatte man jedoch ahnungslos in einem Faß bereitgestellt. Das war nicht gerade praktisch für die Eisenbahnfahrt von 80 durstigen Musikern. Also mußten Flaschen besorgt, gespült und der Wein abgezapft werden. Ein ortsansässiger Priester organisierte das ganze Unternehmen zur vollsten Zufriedenheit – trotzdem dauerte es seine Zeit. In Medina del Campo, verpaßte das Orchester deshalb den Zug nach Irun und mußte mit einem Postzug weiterfahren. Natürlich erreichte man dadurch auch den Grenzort Irun zu spät, weshalb die Instrumente nachts nicht mehr abgefertigt werden konnten. Am Ziel in Paris kam zwar das Orchester dann doch rechtzeitig an, aber die Instrumente waren noch unterwegs. Das Konzert in Paris mußte abgesagt werden.

Falsche Party
Auf Reisen in ferne Länder nimmt man auch als Musiker gerne die Gelegenheit wahr – wenn es die Zeit erlaubt – Erkundungen in der näheren Nachbarschaft zu machen, um kulturelle Besonderheiten und das allgemeine Leben in den bereisten Ländern besser
kennenzulernen.
In Jordanien entdeckten Kollegen in der Nähe der Hauptstadt Amman ein Lager mit Beduinenzelten, in dem lebhaftes Treiben zu erkennen war. Es sah aus, als wäre gerade Markt oder ein Volksfest. Voller Entdeckungslust bogen sie in den Weg ein, der zum Lager führte. Auf halber Strecke kam ihnen ein Beduine entgegen, der ihnen grimmig bedeutete, sie hätten hier nichts verloren und sollten schleunigst wieder verschwinden. Enttäuscht traten die Entdecker den Rückzug an – das vermeintliche Volksfest war eine
Beerdigung.



Flugkapitän Birk an der Trompete
Falscher Trompeter